Aktuell

Im letzten Jahr habe ich mich unter dem Eindruck der großen Zahl von Migranten in Deutschland auf den Weg nach New York gemacht. Ich wollte lernen, wie ich für Menschen, die eine andere kulturelle und religiöse Prägung haben als ich, eine gute Seelsorgerin sein kann. Und New York schien mir dafür der ideale Ort zu sein. Es ist so ähnlich wie in London, hier kommt jeder von irgendwo her. Im August werde ich die interreligiöse Seelsorge-Ausbildung beenden. 

Noch bin ich ganz hier. Ich besuche jeden Tag Patienten in einem lutherischen Krankenhaus in Brooklyn, höre ihre Geschichten und bin für sie da, wenn sie nach einem Unfall, einer Totgeburt oder einer schweren Diagnose Beistand nötig haben. Meine Patienten kommen aus aller Welt, sie sprechen viele verschiedene Arten Englisch und sie leben ihren Glauben auf verschieden Weise. Ich habe hier gelernt, nicht so viele Dinge als selbstverständlich anzunehmen, sondern zu fragen und behutsamer zu sein. Und ich habe gelernt, dankbarer zu sein für mein Leben. Mich zu freuen, dass ich gesund bin, Kinder und Enkelkinder habe und Neues lernen kann.

Barbara Killat

Jeden Tag fahre ich nach der Arbeit mit der Fähre nach Manhattan. Ich sehe den großen Himmel und den weiten Ozean und manchmal sogar die "Queen Mary 2" und dann sende ich schon in Gedanken Grüße über das Meer. Bald ist es soweit. Ich werde meine Koffer packen und von New York nach London ziehen.

Ich habe schon einmal für ein paar Monate während eines Sabbat-Jahres in London gelebt. Damals habe ich in einer Anglikanischen Gemeinde in Camden Town und in der Ökumene-Abteilung der Church of England gearbeitet. Seitdem liebe ich London und bin mit der Stadt und ihrer religiösen Vielfalt ein wenig vertraut.  

Die Evangelischen Gemeinden in London-Ost habe ich damals auch besucht. Ich erinnere mich an einen feierlichen Gottesdienst zum Reformationstag, den alle protestantischen Gemeinden in London gemeinsam gefeiert haben. In diesem Jahre werde ich zum Reformationstag schon Ihre Pastoralassistentin sein. 

Ich habe mich gefragt, welche Veränderungen in den kommenden zwei Jahren durch den Brexit-Beschluss auf die Gemeinden zukommen werden. Genau sagen kann das wohl im Moment niemand. Diese Unsicherheit, die viele von Ihnen existenziell betrifft, weil sie Arbeitsverhältnisse, Pensionsregelungen und Krankenversicherungen, ja sogar Aufenthaltsgenehmigungen berührt, ist vermutlich schwer auszuhalten. Ich wünsche mir, dass für diese Fragen Raum in der Gemeindearbeit ist. Denn das ist für mich auch Aufgabe von Gemeinde: Füreinander da zu sein, Freud und Leid zu teilen, solidarisch zu sein und uns mit Gottvertrauen von Ängsten nicht lähmen zu lassen. 

Herzlich grüße ich Sie aus New York, freue mich auf ein Kennenlernen, wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit und, so Gott will, bis bald in London!

Ihre Barbara Killat

Jahreslosung 2017:
Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
(Hesekiel 36,26)